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Die Form kommt aus der Natur
Unser Titelbild fanden wir dieses Mal bei der malenden Autodidaktin Eva Kunze.Sie ist 1963 in Mannheim geboren und kam 1992 dank eines Prinz-Luitpold-Stipendiums der Landeshauptstadt nach München, war aber hier schon damals keine Unbekannte.Seit gut zehn Jahren stellt sie in München (u. a.. Künstlerwerkstatt Lothringerstraße,Pasinger Fabrik, Autorengalerie) und anderen Städten aus. Zuletzt in Landshut.Dort leitet der Verein für aktuelle Kunst die Neue Galerie im Gotischen Stadel auf der Mühleninsel, die ihr Anfang des Jahres eine Ausstellung mit dem Titel `in the beginning´ widmete.
Ah, Jahrtausendwende! So wird jeder gleich denken. Ich glaube aber nicht, dass es Eva Kunze darum ging. In the beginning, das ist bei ihr der Uranfang,die Schöpfung. Wer weiß schon, vor wieviel Äonen Jahren sie begann. Aber der Ursprung des Lebens, der ist immer wieder neu, ist immer ein Neuanfang. Und das interessiert die Künstlerin mit dem schönen Namen Eva:Eva, die Urfrau. Auch sie erwuchs aus einer befruchteten Eizelle von kaum wahrnehmbarer Größe, entstand im mikroskopisch kleinen Raum als Urform des komplexen Wesens Mensch. Diesen Formen im Mikrokosmos spürt Eva Kunze nach und malt sie frei nach ihrer Vorstellung millionenfach vergrößert auf. In ihrer Ursuppe wesend und werdend. An einem Bilderzyklus mit dieser Thematik malt sie so lange, bis sich ihre Vorstellungskraft dazu erschöpft hat.
Könnten solche Vorstellungen irgend besser umgesetzt werden als in haptischen Farbströmen und Formen, die sich immer wieder verändern im jeweils flüchtigen Zustand eines Wachstumsprozesses? Da ziehen sich Fäden in nährenden Bahnen und wuchern Zellgebilde, hüllen sie in schützende Membrane, bis Gestalt sich vollendet, ausgestattet mit Sinnen und kontrollierter Motorik. Das Wunder des Lebens. Es macht uns alle klein. Denn der Mensch schafft, wie es Bert Brecht prosaisch sagt, nicht mal eine Laus. Das Beste ist, in Ehrfurcht dafür zu danken, es zu hüten und die eigene Begrenztheit zu erkennen in Demut. Künstler tun das. So verstehe ich Evas Kun(z)t. Elke Krüssmann schreibt im Katalogtext zu diesem Bild: Da verschmelzen rote Farbkörper zu einem amorphen Feuerball. Oder Farbpigmente verdicken sich vor einem leuchtenden Hintergrund zu schrundigen Strukturen. Ein Wechselspiel von Oberfläche und Tiefe, von Struktur und Unendlichkeit. Mit Farben hat sie übrigens zweifach zu tun. Sie malt nicht nur mit ihren selbst gemischten Pigmenten, sie lehrt auch den Umgang damit in Seminaren. Wer das lernen will, kann in einen Kurs hineinschnuppern. In nächster Zeit an den Samstagen 18.3., 8.4., 6.5. und 3.6. von 17.30 bis 18.00 Uhr.
JOHANNA KERSCHNER
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